Innendämmung und Schimmel: So vermeiden Sie das Risiko
Wenn die Fassade nicht von außen gedämmt werden darf — etwa bei Denkmalschutz, Sichtfachwerk oder direkter Grenzbebauung — bleibt die Innendämmung. Sie hat den Ruf, schimmelanfällig zu sein. Das stimmt auch — aber nur, wenn sie falsch gemacht wird. Die Ursache ist Bauphysik, kein Pfusch. Mit dem richtigen System lässt sich Schimmel zuverlässig vermeiden.
Warum Innendämmung ein Schimmelrisiko hat
Bei einer Außendämmung bleibt die Wand warm und trocken. Bei der Innendämmung ist es umgekehrt: Die Dämmschicht hält die Wärme im Raum, die dahinterliegende Außenwand bleibt kalt. Warme, feuchte Raumluft, die in die Konstruktion eindringt, kühlt an dieser kalten Wand ab — und kann den Taupunkt unterschreiten. Dann fällt Tauwasser aus, genau an der Grenze zwischen Dämmung und Mauerwerk. Bleibt diese Feuchte stehen, entsteht Schimmel — oft unsichtbar hinter der Dämmung.
Der zweite Effekt: Die Wand kann nach der Dämmung nicht mehr nach innen austrocknen. Feuchte, die von außen eindringt (Schlagregen) oder im Bauteil verbleibt, muss anders abgeführt werden. Genau hier setzen die sicheren Systeme an.
Wann Innendämmung sinnvoll ist
Bauphysikalisch ist die Außendämmung fast immer die bessere Wahl. Zur Innendämmung greift man, wenn außen nicht geht:
- Denkmalschutz oder erhaltenswerte Fassade (Stuck, Gesimse)
- Sichtfachwerk, Klinker- oder Natursteinfassade
- Grenzbebauung — Reihen- oder Doppelhaus ohne Platz für ein WDVS
- Nur einzelne Räume sollen gedämmt werden (z. B. ein ausgebautes Büro)
- Gemischt genutzte oder nur zeitweise beheizte Gebäude
Die zwei sicheren Systeme
Es gibt zwei grundverschiedene Wege, eine Innendämmung schimmelfrei aufzubauen. Wichtig ist, eines davon konsequent umzusetzen — und nicht zu mischen.
1. Kapillaraktiv und diffusionsoffen (ohne Dampfbremse)
Materialien wie Kalziumsilikat, Mineralschaum oder spezielle Holzfaser-Systeme nehmen anfallende Feuchte kapillar auf, verteilen sie und geben sie wieder an den Raum ab. Eine Dampfbremse ist nicht nötig — das macht das System fehlertolerant, weil keine durchgehend luftdichte Folie hergestellt werden muss. Kalziumsilikat wirkt durch seinen hohen pH-Wert zusätzlich schimmelhemmend.
2. Dampfbremsendes System (mit Folie)
Hier wird die Dämmung (z. B. Mineralwolle oder PU/PIR) raumseitig mit einer Dampfbremse abgedichtet, damit gar keine feuchte Luft an die kalte Wand gelangt. Das ist günstiger im Material, aber heikler in der Ausführung: Jede undichte Stelle, jede Durchdringung (Steckdose, Rohr) ist eine potenzielle Schwachstelle. Nur fachgerecht luftdicht verlegt ist dieses System sicher.
Materialvergleich Innendämmung
| Material | λ (W/mK) | Kapillaraktiv | Dampfbremse nötig | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Kalziumsilikat | 0,06 - 0,07 | Ja | Nein | Schimmelhemmend (alkalisch) |
| Mineralschaumplatte | 0,04 - 0,045 | Ja | Nein | Nicht brennbar |
| Holzfaser (System) | 0,04 - 0,05 | Ja | Feuchtevariabel | Ökologisch |
| Mineralwolle | 0,035 | Nein | Ja | Günstig, Ausführung kritisch |
| PU/PIR (alukaschiert) | 0,024 | Nein | Ja (Dampfsperre) | Dünn, hohe Dämmwirkung |
Faustregel: Wer auf Nummer sicher gehen will, wählt ein kapillaraktives System. Es verzeiht kleine Ausführungsfehler, die bei einer Dampfbremse zum Schaden führen würden.
Die kritischen Stellen: Wärmebrücken
Schimmel bei Innendämmung tritt fast immer an denselben Stellen auf — dort, wo die kalte Außenwand in den warmen Raum hineinreicht und die Dämmung unterbrochen ist:
- Einbindende Innenwände — der Anschluss an die Außenwand bleibt kalt
- Decken- und Geschossbalken — Balkenköpfe im Mauerwerk sind besonders heikel, vor allem bei Holzbalkendecken
- Fenster- und Türlaibungen
- Heizkörpernischen und Rollladenkästen
Diese Anschlüsse müssen mitgedämmt werden (Dämmkeil bzw. Flankendämmung, die ein Stück in den Raum gezogen wird) und gehören im Detail geplant. Hier entscheidet sich, ob die Innendämmung funktioniert — nicht in der Wandfläche.
Checkliste: Innendämmung ohne Schimmel
- Vorab eine hygrothermische Berechnung (Glaser-Verfahren, besser eine WUFI-Simulation) für den konkreten Wandaufbau erstellen lassen
- Schlagregenschutz der Fassade sicherstellen — die Wand kann nicht mehr nach innen trocknen, also darf sie von außen nicht durchnässen
- Ein System konsequent wählen: kapillaraktiv (fehlertolerant) oder Dampfbremse (luftdicht ausführen)
- Dämmplatten vollflächig und hohlraumfrei ankleben — keine Luftspalten hinter der Dämmung
- Wärmebrücken (Innenwände, Deckenbalken, Laibungen) mitdämmen
- Dämmstärke begrenzen (meist 6 - 10 cm) — je dicker, desto kälter die Wand dahinter
- Für ausreichende Lüftung sorgen, um die Raumluftfeuchte niedrig zu halten
Mehr zu den typischen Fehlern nach einer Dämmung lesen Sie im Artikel Schimmel nach Sanierung vermeiden.
Kosten und Förderung
Innendämmung kostet je nach System rund 50 - 120 €/m². Mineralwolle mit Dampfbremse liegt am unteren Ende, kapillaraktive Platten am oberen. Die BAFA fördert die Maßnahme als Einzelmaßnahme der Gebäudehülle mit 15 % Zuschuss, mit individuellem Sanierungsfahrplan (iSFP) 20 %. Für Innendämmung gelten dabei erleichterte U-Wert-Anforderungen, weil der Zielwert einer von außen gedämmten Wand bauphysikalisch nicht erreichbar ist.
Ihr nächster Schritt
Innendämmung ist kein Selbstläufer, aber mit dem richtigen System und sauberer Detailplanung dauerhaft schimmelfrei. Entscheidend ist die Reihenfolge: erst die Bauphysik klären, dann das Material wählen. Unsere Vorab-Einschätzung zeigt Ihnen, ob Innendämmung für Ihr Gebäude sinnvoll ist, welche U-Werte erreichbar sind und welche Förderung in Frage kommt.
Häufig gestellte Fragen
Verursacht Innendämmung Schimmel?+
Nicht zwangsläufig. Innendämmung verschiebt den Taupunkt nach innen, sodass die Außenwand kalt bleibt — ohne korrekten Aufbau kann sich dort Tauwasser bilden. Mit einem kapillaraktiven System (z. B. Kalziumsilikat) oder einer luftdicht verlegten Dampfbremse bleibt die Konstruktion schimmelfrei.
Welches Material eignet sich für Innendämmung gegen Schimmel?+
Kapillaraktive Platten wie Kalziumsilikat oder Mineralschaum gelten als besonders sicher: Sie nehmen Feuchte auf, geben sie wieder ab und benötigen keine Dampfbremse. Kalziumsilikat wirkt durch seinen hohen pH-Wert zusätzlich schimmelhemmend. Mineralwolle ist günstiger, erfordert aber eine fachgerecht luftdicht verlegte Dampfbremse.
Braucht Innendämmung immer eine Dampfbremse?+
Nein. Es gibt zwei Wege: ein dampfbremsendes System (Dämmung plus luftdichte Dampfbremsfolie) oder ein diffusionsoffenes, kapillaraktives System ganz ohne Folie. Letzteres ist fehlertoleranter, weil keine durchgehend dichte Schicht hergestellt werden muss.
Was kostet Innendämmung pro m²?+
Je nach System rund 50–120 €/m². Mineralwolle mit Dampfbremse liegt am unteren Ende, kapillaraktive Kalziumsilikat- oder Mineralschaumplatten am oberen. Die BAFA fördert die Maßnahme mit 15 % (mit iSFP 20 %).
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